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Interview mit Andreas Preuß (Manager Borussia Düsseldorf): „Wir bringen TTBL und Damen-Bundesliga näher aneinander“
Der deutsche Rekordmeister Borussia Düsseldorf sorgt wieder für eine Premiere im Tischtennis und richtet sein TTBL-Spiel gegen den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell am Sonntag als Doppelveranstaltung in Berlin mit dem Damen-Branchenführer ttc berlin eastside aus. Im Interview spricht Borussen-Manager Andreas Preuß über die Zielsetzung für den Double Header, die Perspektiven für eine engere Zusammenarbeit von TTBL- und Damen-Klub und die personellen Planungen in Düsseldorf.
Andreas Preuß, Borussia Düsseldorf geht am Sonntag durch den Double Header beim deutschen Damen-Primus ttc berlin eastside einmal mehr neue Wege - noch nie im deutschen Tischtennis haben Damen-Teams und Herren-Mannschaften Erstliga-Spiele gemeinsam im Rahmen einer einzigen Veranstaltung ausgetragen. Wie ist es zur Zusammenlegung der Düsseldorfer Begegnung mit dem TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell und Berlins Spiel gegen den ESV Weil gekommen?
Als Berlins Manager Andreas Hain noch DTTB-Präsident gewesen ist, hatte er den Grundgedanken, einmal Damen- und Herren-Bundesliga in einer gemeinsamen Veranstaltung spielen zu lassen. Ich fand das generell gut, zumal es schon lange ein Wunschtraum von mir gewesen ist, im Rahmen unseres grundsätzlichen Konzepts der Austragung von Heimspielen in Regionen ohne Top-Tischtennis im Herren-Bereich auch einmal in Berlin für unseren Sport zu werben. Wir haben sozusagen als Botschafter des Sports bisher schon in Hamburg, Frankfurt und München gespielt – nur in Berlin noch nicht. Wir haben dann später unsere Vorstellungen von einem großen gemeinsamen Event zusammengefügt und durch das Netzwerk von Eastside in Berlin auch eine passende Location gefunden.
Welche Erwartungen knüpfen Sie an diese Premiere?
Unterschiedliche. Zu meinen Erwartungen gehört ein nahezu volles Haus mit knapp 2000 Zuschauern, aber auch ein sportpolitisches Signal auf der Grundlage eines großen Medieninteresses und vieler Nachfragen zur grundsätzlichen Idee. Denn wir bringen Topsport von Damen und Herren enger zusammen, wir bringen aber auch die TTBL näher an die Damen-Bundesliga und die Damen-Bundesliga näher an die TTBL. Es gibt also ein positives Signal, indem wir gemeinsam ein solches Zeichen setzen.
Der Organisationsaufwand dürfte beträchtlich sein. Lassen sich die Vorbereitungen in Zahlen beschreiben?
Der Aufwand für die Organisation ist enorm, alleine schon – ohne Berlin oder der Damen-Bundesliga nahe treten zu wollen – durch die hohe Professionalität der TTBL und auch in unserer Vereinsstruktur, denn wir haben mehr Zuschauer, andere Voraussetzungen und Mindestanforderungen zu erfüllen. Diese Abläufe machen den Aufwand enorm. Dazu kommt: Es ist eine lange Tagesveranstaltung, es sind unterschiedliche Vorkehrungen für Damen und Herren zu treffen, es gibt unterschiedliche Spielsysteme. Unter diesen Voraussetzungen die Halle herzurichten und für ein so langes Event ein zuschauerfreundliches Format zu finden, bedeutet wirklich viel Aufwand. Alleine wir müssen praktisch alles, was wir haben, und das ist mittlerweile ziemlich viel, nach Berlin schaffen: Wir haben einen TV-Übertragung, eine Internet-TV-Übertragung mit fünf Kameras und zwei Kommentatoren, wir haben einen Liveticker, und wir haben auch digitale Banden. Es gibt also unendlich viele Vorkehrungen, an die wir denken müssen, und sehr viel Material, das wir mitnehmen müssen. Unser Lkw war schon Tage vorher unterwegs, alleine bei Borussia haben 20 Leute im Umfeld mitgearbeitet, und Berlin bringt auch viele Helfer. Der Aufwand ist also wirklich enorm, aber es wird sich hoffentlich auch lohnen.
Wie viel Zeit von der Idee bis zur Umsetzung hat der Plan beansprucht?
Die Idee ist mindestens zwei Jahre alt. Im Frühsommer vorigen Jahres haben wir sie dann wieder neu aufgenommen und uns konkreter damit befasst. Nach einem Termin in Berlin mit der Besichtigung der Halle und mehreren Abstimmungsgesprächen im September 2025 ging es bis heute dann Schlag auf Schlag: Ticketing, Medienarbeit, organisatorische Absprachen – alles das gehört ja dazu, und da haben für Berlin Alexander Teichmann und unser Geschäftsführer Alexander Schilling wirklich Großes geleistet.
Ist Berlin ein zufällig ausgewählter Schauplatz in der schon langen Reihe von Düsseldorfer "Heimspielen" in anderen Städten zur Imagewerbung für Tischtennis oder sind mit der neuen Konstellation gerade in der deutschen Hauptstadt auch sportpolitische Ziele verbunden?
Berlin ist – über die schon beschriebene Botschaft im sportpolitischen Bereich hinaus - nicht zufällig ausgewählt. Wir wollten eben schon länger in die Hauptstadt, und als die Idee des gemeinsamen Events mit den Damen entstand, war klar, dass wir das nur in Berlin und nirgendwo anders machen können, weil Berlin im Damen-Bereich so stark ist wie wir bei den Herren. Das passt zusammen, denn ist Topsport mit den erfolgreichsten Mannschaften beider Bereich in den vergangenen Jahren.
Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Double Header hat Ihr Berliner Kollege Andreas Hain über Interesse der beim Deutschen Tischtennis-Bund angesiedelten Damen-Bundesliga an mehr Eigenständigkeit womöglich auch durch eine Einbindung in die professionellen TTBL-Strukturen gesprochen. Ist das aus Sicht der TTBL ein spruchreifes Thema?
Es ist richtig, dass es Gespräche zwischen der TTBL, dem Ressort Damen-Bundesliga beim DTTB sowie dem Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Dörner und Sportvorstand Richard Prause gibt. Ein mögliches Ziel ist, enger zu kooperieren, aber wohin es tatsächlich führt, muss man abwarten. Um aber die Damen-Bundesliga irgendwann in die TTBL Sport GmbH zu integrieren, sind sicherlich noch viele, viele Schritte notwendig. Jetzt geht es aber gerade erst einmal darum, Bedingungen und Bereitschaften zu prüfen und danach einen Fahrplan zu zeichnen, der – unabhängig von den Möglichkeiten künftiger Rechtskonstruktionen - für die Damen-Bundesliga zu mehr Professionalität einerseits und mehr Eigenständigkeit und Eigenverantwortung andererseits führen kann. Ein ganz zentrales Thema ist derzeit auch die Frage, ob man die Damen-Bundesliga medial effektiver verwerten und - perspektivisch - in einem späteren Schritt unter das Dach des TTBL-Medienpartners Dyn bringen kann. Aber davor sind noch viele Schritte zu gehen, wir sind aber am Start von guten Gesprächen.
Düsseldorf ist nach dem 2:3 zum Jahresabschluss im Topspiel beim 1. FC Saarbrücken-TT zum Rückrunden-Start in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Obwohl Ihr Team in gewohnt höheren Tabellengefilden rangiert und erster Verfolger von Spitzenreiter Werder Bremen ist, wirkt der Saisonverlauf - sicher auch durch das frühe „Pokal-Aus“- weniger souverän als in früheren Jahren. Wie stellt sich Ihnen die Situation dar?
Das frühe Pokal-Aus hat ohne Frage weh getan, schmerzt manchmal noch immer – ist jetzt aber nun einmal auch Vergangenheit. Das Viertelfinale, in dem wir nicht unseren besten Tag hatten und Bad Homburg nach einer sehr starken Leistung verdient gewonnen hat, war vielleicht unser einziges richtig schlechtes Spiel, ansonsten sind wir insgesamt absolut auf Kurs: Wir sind souverän ins Viertelfinale der Champions League eingezogen, wir stehen in der Bundesliga trotz starker Konkurrenz auf Platz zwei und liegen da voll im Plan. Wir wollen sowohl in der Champions League als auch in der Bundesliga am besten als Tabellenerster die Final-Four-Turniere erreichen, und ich da auch sehr optimistisch, dass uns das gelingt.
Die Bundesliga schlägt nicht nur, aber auch durch wechselnde Aufstellungen der Mannschaften seit Wochen immer wieder für die Fans erfreuliche Kapriolen. Wie begegnet Düsseldorf den gestiegenen Ansprüchen an eine angemessene Personalplanung zur Wahrung seiner Play-off-Chancen?
Wir haben uns schon vor Saisonbeginn durch die Verpflichtung unseres Chinesen Li Yongyin auf eben diese Situation eingestellt, einen Spieler für den Alltag, der nur Bundesliga spielt. Dazu wiederum im Alltag eine Rotation unserer Topspieler Kanak Jha, Anton Källberg und Dang Qiu, und eine Aufstellung für die Spitzenspiele mit dem bestmöglichen Team. Obwohl von unseren Zugängen Li noch nicht so gut und überragend punktet wie Kanak, geht unser Plan bisher gut auf.
Im Winter dreht sich traditionell das Spieler-Karussell für die kommende Saison besonders schnell. Wann sind Neuigkeiten bei der Borussia zu erwarten?
Außer Borgar Haug haben alle unseren anderen vier Spieler noch Verträge. Ob wir einen fünften Spieler verpflichten und gegebenenfalls wen, ist noch nicht entschieden, das gleiche gilt für die Frage nach Borgars Zukunft. Wir sind generell in verschiedenen Überlegungen. Wir sind mit unserer Mannschaft konkurrenzfähig und kämen mit diesem Team auch durch die Saison, wenn Li spielt und die anderen sich immer abwechseln. Wir überlegen aber auch durchaus, einen Spieler nur für die Champions League zu verpflichten, vielleicht auch aus dem asiatischen Raum, denn natürlich muss auf Dauer umdenken, wenn viele andere Mannschaften nur für einige wenige Spiele aufrüsten wie zuletzt Saarbrücken und der Post SV Mühlhausen. Man muss sich schon die Frage stellen, ob wir für die Topevents noch konkurrenzfähig sind, wenn wir nur darauf setzen, eine Mannschaft zu haben, die regelmäßiger beieinander ist und zusammenspielt. Aber auch wenn wir uns darüber Gedanken machen, ist wegen unserer festen Spieler kurzfristig erstmal keine Neuverpflichtung zu erwarten.
Ihr Blick geht bekanntermaßen oft über die Düsseldorfer Belange hinaus. Die laufende Saison steht eindeutig im Zeichen der Spiele von Olympiasieger Fan Zhendong für Saarbrücken. Wie bewerten Sie den Hype um den Superstar des Tischtennis und das große Interesse an seinen Einsätzen auch in seiner Heimat China?
Der Hype um Fan Zhendong ist enorm und tut der gesamten Liga nach dem Ende von Timos Bolls großer Laufbahn extrem gut. Das ist großartig zu sehen, egal ob bei Topevents oder auch medial im Alltag. Wir freuen uns auch schon darauf, wenn Fan mit Saarbrücken bei uns in Düsseldorf spielt. Wir wechseln eigens die Halle und erwarten dadurch 3500 Zuschauer. Alle profitieren von diesem Hype, und das tut erst einmal dem Tischtennissport sehr, sehr gut.
Vielen Dank für das Gespräch, Andreas Preuß.
Florian Manzke
Beitragsbild (oben): Quelle Borussia Düsseldorf








