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Interview mit Helmut Hampl (Cheftrainer TTC OE Clarity Telefonie-Systeme Bad Homburg)

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Interview mit Helmut Hampl (Cheftrainer TTC OE Clarity Telefonie-Systeme Bad Homburg)

Interview mit Helmut Hampl (Cheftrainer TTC OE Clarity Telefonie-Systeme Bad Homburg)

Für Helmut Hampl ist in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) am Ende der regulären Saison beim TTC OE Bad Homburg nach mehreren Jahrzehnten eine intensive und erfolgreiche Laufbahn am Rande der Bande ausgeklungen. Im Interview spricht der 73-Jährige über Entwicklungen im Tischtennis allgemein, Unterschiede an seinen Trainer-Stationen und auch über sein „goldenes Händchen“ im Umgang mit Stars wie Timo Boll oder Jörg Roßkopf in deren ganz jungen Jahren.

Helmut Hampl, Ihr letztes Spiel als Cheftrainer einer TTBL-Mannschaft liegt inzwischen einige Tage zurück. Fühlen Sie sich schon im Ruhestand angekommen?

Was heißt Ruhestand? Ich werde es mal so ausdrücken: Ich werde nicht mehr jeden Tag in der Halle stehen – so ungefähr wird es aussehen. Ich werde 74 Jahre alt, geistig ist alles auch okay, aber körperlich merkt man inzwischen bei zwei bis drei Einheiten, dass irgendwann die Grenzen erreicht sind.

Welche Emotionen haben Sie zum Saisonabschluss oder zuvor auch beim letzten Heimspiel bewegt?

Das letzte Heimspiel war schon sehr emotional. Da haben mich alle überrascht. Eigentlich wollte ich das nicht und habe das auch dem Verein gesagt. Doch dann hat sich da auch noch mein Sohn eingeschaltet, und dadurch, dass wirklich unfassbarplät viele Spieler aus all den vielen Jahren gekommen sind, war es ein Wahnsinn und sehr bewegend, besonders als meine beiden Enkelinnen im Trikot mich beim Einlauf in die Halle an die Hand genommen haben. Das war eine schöne Überraschung und hat mich sehr gefreut.

Ihre Beziehung zu Timo Boll gilt als ein besonderes Verhältnis. Was hat Ihnen sein Besuch bei Ihrem letzten Heimspiel bedeutet?

Der Kontakt zu Timo ist in all den Jahren ja nie abgerissen. Wenn er Zeit hat, kommt er immer.

Wozu und wie möchten Sie das nicht kleine Plus an Freizeit in Zukunft nutzen?

Da wird sich schon etwas finden. Meine Enkelinnen können ihren Opa demnächst sicher öfter gut brauchen, mein Garten wirkt sehr vernachlässigt und sieht nicht mehr gut aus – also Arbeit gibt es genügend. Aber ich werde ja auch weiterhin im Nachwuchsbereich zwei, drei Tage in der Woche etwas machen. Meine kleine Enkelin sagt ja auch schon immer, „Opa, wenn ich sechs bin, gehe ich mit dir in die Halle“….

Sie übergeben Ihre Mannschaft und Ihr Amt an Slobodan Grujic. Warum fiel die Wahl auf Ihren früheren Spieler?

Es wäre ja schade, dass alles, was ich in den letzten zwei Jahren aufgebaut habe, einfach so dahinplätschern würde. Deswegen fanden wir alle wichtig, dass jemand übernimmt, der Tischtennis denkt wie ich. Da passt bei Slobodan Grujic einiges zusammen. ‚Bobo‘ hat 15, 16 Jahre bei mir gespielt, ich habe ihn als Trainer ausgebildet. Wir haben zusammen große Erfolge wie die Champions League und den Pokal gefeiert. Er denkt Tischtennis auch ein wenig in die Richtung, wie ich es sehe. Wir passen gut zusammen und verstehen uns gut. Er will sich ja auch noch weiterentwickeln, und da denke ich schon, dass Bad Homburg für ihn das richtige Sprungbrett ist – auch wenn er mit Saarbrücken 2020 schon Meister geworden ist.

Klingt auch gut: Ein Meistercoach für Bad Homburg...

Ja, aber man muss da auch die Unterschiede sehen: In Saarbrücken, da waren es fast alles fertige Spieler, aber unsere Spieler müssen erst fertig werden.

Sie treten aus der ersten Reihe in den Hintergrund und fungieren künftig als Sportvorstand. Was werden dabei Ihre Aufgaben sein?

Wir werden im Sportvorstand wahrscheinlich zu dritt sein. Ich werde mich hauptsächlich um Themen in der Organisation, die Mannschaft und ähnliches kümmern, eventuell auch individuelle Förderung.

Weiten wir ein wenig den Blick. Wie hat sich Ihre Arbeit in Bad Homburg von Ihren vorherigen Bundesliga-Stationen beim TTV Gönnern und TG Hanau unterschieden?

In Gönnern hatten wir eine feste Trainingsgruppe, und weil es noch nicht so viele Turniere gab, waren die Leute immer gut zwei bis drei Wochen zum Training da, so dass man viel mehr und viel intensiver mit den Spielern arbeiten konnte. In Hanau war es dann ähnlich, aber es hat da schon angefangen, mit den anderen Terminen. Und heutzutage ist es ja eben so, dass man außer der Vorbereitung auf die Bundesliga auch die anderen Turniertermine berücksichtigen muss. Früher hatte man eine bis zwei Wochen Zeit zur Vorbereitung auf die unterschiedlichsten Bedingungen, heute - mit Glück - nur noch drei Tage. In Gönnern, mit Timo Boll, haben wir auch weitergearbeitet, wenn die Saison vorbei war. Inzwischen sind die Spieler nach dem letzten Punktspiel weg und kommen erst Ende Juli wieder zurück.

Was waren für Sie persönlich die Highlights bei Ihren Erstliga-Engagements?

In Gönnern gab es schon viele Highlights, etwa die beiden Champions-League-Siege. In Hanau war es anders, auch weil die Idee ja anders war, weil es nach der Übernahme von Gönnerns Lizenz gar keinen gewachsenen Unterbau gegeben hat. In Bad Homburg ist es ganz anders mit zwölf Mannschaften, da sind die Leute mit viel Herzblut dabei und verrückt nach Tischtennis, und momentan passt da alles.

In der TTBL klingt gerade die 60. Saison aus. Sie gehörten über Jahrzehnte zu den Wegbegleitern und prägenden Figuren der Liga. Wie würden Sie die Entwicklung beschreiben?

Die Liga ist im Laufe der Jahre vor allem viel professioneller geworden, und das muss ja auch das Ziel sein. In den meisten Hallen sind die Spielbedingungen wirklich super. Dazu kommt die Entwicklung in den Medien mit den Liveübertragungen, die man in Asien und in der ganzen übrigen Welt sehen kann, wenn man möchte. Das ist super, das ist professionell.

Wie gehen Sie damit um, oft vor allem auch als Entdecker und Förderer von Stars wie Jörg Roßkopf, Timo Boll oder Franziska vorgestellt zu werden? Oder stört Sie das sogar?

Warum soll mich das stören?

Weil Ihre gesamte Arbeit darauf reduziert wirken könnte…

Timo, ‚Rossi‘, Patrick Franziska und viele, viele andere Spieler sind aus dem System hervorgegangen, dass ich in Hessen mit Jahrgangsmeisterschaften, Turnieren und Sichtungsmaßnahmen aufgebaut habe, sie haben sich eben herauskristallisiert. Dadurch war es dann auch einfach, solch jungen Spieler zum richtigen Zeitpunkt in der Bundesliga einzubinden. Und wenn man mit Spielern von acht oder neun Jahren arbeitet bis sie 18, 19, 20 oder Timo sogar 27 Jahr alt sind, kann man schon von Entdecker und Förderer sprechen.

Worin besteht denn Ihrer Ansicht nach Ihr Geschick oder auch goldenes Händchen im Umgang mit jungen Spielern?

Für mich ist jedes Kind und jeder Spieler individuell anders. Es gibt keine gleichen Spieler, Vergleiche sind eigentlich gar nicht möglich. Wenn die Grundtechniken stimmen, müssen die Individualtechniken und das individuelle Training angepasst werden.

Noch einmal zurück zu Ihrem Abschied: Ist seit Sonntag wirklich Schluss als Trainer oder gilt auch für Sie das Bonmot „Sag niemals nie"?

Ich werde nicht mehr in einem Verband eine Tätigkeit ausüben. Im Verein gibt es vielfältige Aufgaben, bei denen ich helfen und unterstützen kann, dazu gehört ein gutes Junior-Team des Vereins. Selbstverständlich werde ich dem neuen Cheftrainer unterstützend und beratend zur Seite stehen.

Vielen Dank für das Gespräch, Helmut Hampl.

Florian Manzke
Beitragsbild oben: Helmut Hampl und Bad Homburg Team beim Pokal-Final4 2026 (Foto: BeLaSportfoto)

TTBL Redaktion
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23.04.2026

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