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Interview mit Bastian Steger (TSV Bad Königshofen): „Ein paar Jährchen mehr können möglich sein“
Der TSV Bad Königshofen ist in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) ans Tabellenende abgerutscht. Im Interview spricht TSV-Publikumsliebling Bastian Steger über die Situation, mögliche Verstärkungen für die Rückrunde sowie Gedanken über seine erneut starke Bilanz trotz seiner 45 Jahre und den richtigen Zeitpunkt für ein Karriereende.
Bastian Steger, nach der wochenlangen Zitterpartie im Abstiegskampf der vergangenen Saison waren bei Ihrem TSV Bad Königshofen die Erleichterung über den Klassenerhalt und die Entschlossenheit zur Vermeidung einer erneuten Verwicklung in den Kampf gegen den Abstieg groß. Nach etwas mehr als einem Viertel der neuen Saison aber hält Ihre Mannschaft wieder die Rote Laterne des Schlusslichts in der Hand. Wie groß ist jetzt die Ernüchterung?
Ich hatte schon damit gerechnet, dass es wieder schwierig werden würde und wir wieder um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Es ist so ausgeglichen und alles so brutal eng beieinander, dass ja auch noch andere Mannschaften unten dabei sind, mit denen man gar nicht gerechnet hatte. Wir können nur hoffen, dass wir schnell punkten, um nicht am Tabellenende zu stehen.
Was ist denn schiefgelaufen?
Die Niederlagen gegen den ASC Grünwettersbach und noch mehr gegen den TTC Zugbrücke Grenzau mit Matchball für uns im Doppel waren schon sehr, sehr knapp. Wir können uns da gar nicht wirklich etwas vorwerfen. Da ist nicht viel schiefgelaufen, außer dass es an ein, zwei, drei Punkten gelegen hat - wenn die aber gekommen wären, hätte man gesagt, es ist alles gut.
Gibt es noch andere Gründe?
Nein, wirklich nicht. Die Spiele waren okay, es hat auch niemand wirklich schlecht gespielt.
Spielt die Umstellung auf der Trainer-Position von Koji Itagaki auf Timo Neumann auch eine Rolle?
Timo macht seine Sache meiner Meinung nach bisher sehr, sehr gut, er macht einen guten Job. Wir alle haben einen sehr positiven Eindruck von ihm. An ihm können wir es auch nicht festmachen, dass die Spiele verloren gegangen sind und wir da unten stehen.
Es fällt auf, dass aus dem Doppel als Bad Königshofens einstigem Trumpfass inzwischen beinahe schon eine Achillesferse geworden ist: zwei Doppel in dieser Saison, zwei Niederlagen. Ein Zufall oder doch ein größeres Problem?
Wir haben tatsächlich erst kürzlich darüber gesprochen, dass wir in den Jahren mit Martin Allegro sehr viele Doppel gespielt haben und davon profitiert haben, dass er ein extrem guter Doppelspieler ist. Da haben wir fast die Hälfte aller Spiele im Schlussdoppel gewonnen. In der letzten Saison haben wir kaum Doppel gespielt und wissen nun in dieser Saison nach zwei Doppeln auch noch nicht zu 100 Prozent, welche Konstellation und Paarung am besten passt. Auch wenn wir eigentlich gar nicht so schlecht sind im Doppel und da nicht so viel falsch ist bei uns, haben andere Vereine momentan vielleicht eingespieltere Doppel. Wir müssen uns eben noch finden. Es ist grundsätzlich halt gar nicht so einfach, ein gutes Doppel zu stellen.
Rivalen aus dem vergangenen Abstiegskampf wie der TTC Zugbrücke Grenzau haben sich durch Neuverpflichtungen wie etwa Liam Pitchford auch messbar verstärkt. War es vor Saisonbeginn möglicherweise ein strategischer Fehler, zur Absicherung erst für die Rückrunde auf eine Rückkehr von Xue Fei als erklärter Backup zu setzen?
Ich weiß gar nicht, ob Xue Feis Wiederkehr zur Rückrunde schon absolut sicher ist. Generell aber war in der wichtigen Phase der Planungen für diese Vorrunde noch gar nicht klar, ob wir überhaupt in der Liga bleiben oder nicht doch noch absteigen. Dadurch war es natürlich auch extrem schwierig, am Saisonende noch einen guten Einser und gutes Kaliber zu bekommen. Grenzau dagegen ist mit Pitchford wirklich eine gute Verpflichtung gelungen. Umso besser wäre es, wenn es mit Xue Fei wirklich klappen kann, denn auch wenn in den nächsten Spielen auch noch einige Punkte für uns möglich sind, würde er uns sicher wieder helfen können.
Ist momentan beim Anblick der Tabelle ein Trost oder womöglich sogar ein Mutmacher für Ihr Team, das Bad Königshofen schon gegen die derzeitigen Top3 gespielt hat?
Von den drei guten Mannschaften Borussia Düsseldorf, 1. FC Saarbrücken-TT und TTF Liebherr Ochsenhausen war Ochsenhausen nicht in Bestbesetzung gekommen, da wäre vielleicht auch etwas mehr für uns möglich gewesen. Natürlich haben wir gegen Düsseldorf und Saarbrücken keine Punkte eingerechnet, aber wiederum schon gehofft, gegen Grünwettersbach oder Grenzau wenigstens ein Spiel zu gewinnen, womit wir schon ganz gut gefahren wären. Wenn du dann gegen direkte Mitkonkurrenten verlierst, tut das natürlich weh. Aber die Saison ist noch lang, da ist noch einiges möglich.
Wagen Sie bereits eine Prognose für den sich allmählich abzeichnenden Abstiegskampf?
Vorhersagen sind immer schwierig, aber ich bin sehr optimistisch, dass wir es wieder packen werden, die Klasse zu halten.
Abschließend zu Ihnen persönlich: Seit März sind Sie 45 Jahre alt, glänzen aber erneut mit einer starken 5:1-Bilanz. Was ist wirklich Ihr Geheimnis?
Manchmal muss ich mir wirklich auch die Augen reiben und wundere mich, dass es in meinem hohen Alter immer noch so erstaunlich gut läuft. Dass meine Bilanz momentan wieder so gut ist, ist keine Selbstverständlichkeit, aber weil mir das bewusst ist, versuche ich auch, das zu genießen, da tut jeder Moment, jeder Sieg richtig gut und gibt Selbstvertrauen.
Haben Sie schon eine Entscheidung getroffen, bis wann Sie Ihre Karriere fortsetzen möchten?
Es ist für mich gerade durch die guten Ergebnisse wirklich schwierig, mich mit dem Ende meiner Laufbahn zu beschäftigen. Solange man merkt, dass man gut mitspielen und sogar Siege einfahren kann, lässt sich schlecht sagen, wann es zu Ende ist. Wenn man aber merkt, dass es nicht mehr ganz reicht und es extrem schwierig ist, Spiele zu gewinnen, dann könnte ich mir vorstellen, dass es auch noch für den Kopf nicht mehr leicht sein könnte. Aber momentan macht es noch extrem viel Spaß, und ich hoffe auch, dass es noch weitergeht - und Stand heute würde ich auch sagen, dass auf jeden Fall noch ein paar Jährchen mehr möglich sein können.
Vielen Dank für das Gespräch, Bastian Steger.
Florian Manzke








