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Final4-Stars im Interview Kirill Gerassimenko (SV Werder Bremen): „Wir können zeigen, was wir draufhaben“

Bundesliga

Final4-Stars im Interview Kirill Gerassimenko (SV Werder Bremen): „Wir können zeigen, was wir draufhaben“

Final4-Stars im Interview Kirill Gerassimenko (SV Werder Bremen): „Wir können zeigen, was wir draufhaben“

Kirill Gerassimenko steht mit Werder Bremen beim Liebherr TTBL Final4 in Frankfurt (30./31. Mai) zum dritten Mal in seiner Laufbahn im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Im Interview spricht der Publikumsliebling über seine starke WM, Bremens Vorbereitung auf das Duell mit Pokalsieger und Champions-League-Gewinner 1. FC Saarbrücken-TT und seine Lehren aus den bisherigen Endrunden-Teilnahmen.

Kirill Gerassimenko, das Liebherr TTBL Final4 in Frankfurt steht in nur noch wenigen Tagen bevor. Wie ist bei Werder Bremen der Stand der Vorbereitung?

Das Turnier ist für uns alle wichtig, nicht nur für mich, sondern auch für den ganzen Verein, für uns als Mannschaft, für jeden in unserem Team und unserem Staff. Wir nehmen das sehr ernst. Wir arbeiten alle viel. Zuletzt war das Programm wirklich hart, wir haben auch viel im physischen Bereich gemacht. Wir versuchen jetzt, uns mit unserem Spiel auf einige Partien vorzubereiten, die anstehen können und in denen wir möglichst punkten müssen. Wir sind dabei sehr zuversichtlich und bauen auch immer mehr Selbstvertrauen auf.

Sie selbst haben bei der Mannschafts-WM in London mit einer überragenden 9:1-Bilanz erheblichen Anteil am Einzug Ihrer kasachischen Mannschaft ins Achtelfinale gehabt. Wie lässt sich diese Form bis zum Final4 halten?

Bei der WM 2024 in Busan hatte ich eine 9:0-Bilanz, und ehrlicherweise wollte ich meinen Rekord brechen und auf 10:0 kommen, aber im Achtelfinale war Tomokazu Harimoto zu stark, auch wenn es knapper war als das 0:3 aussieht. Aber trotzdem habe ich bei der Weltmeisterschaft viel Selbstvertrauen getankt, und ich merke, dass es durch das Training in Bremen noch weiter wächst. Ich hoffe natürlich, dass es so weiter geht.

Werder Bremens Teilnahme am Final4 gilt allgemein als eine Überraschung. Für Sie auch?

Für mich ist es gar keine Überraschung. Wir waren in meinen Jahren in Bremen schon einige Mal sehr nahe am Halbfinale, sind dann aber öfter doch nur Fünfter oder Sechster geworden. Aber generell können wir jeden schlagen. Aber wir arbeiten auch das ganz Jahr sehr hart, wir leben praktisch in der Halle und verzichten dafür auf vieles, was anderen Menschen viel Freude macht wie Zeit mit der Familie oder Feiern. Meiner Meinung nach haben wir uns aus all diesen Gründen die Teilnahme am Final4 auch verdient.

Was war ausschlaggebend für Bremens erfolgreichen Verlauf in der regulären Saison?

Der wichtigste Erfolgsfaktor in der regulären Saison war für uns, dass es keine großen Ereignisse wie Olympische Spiele gab. Ich selbst habe für mich beschlossen, mich stärker auf die Bundesliga zu konzentrieren und mehr dafür zu trainieren. Ich glaube, die anderen Jungs in unserer Mannschaft denken auch ähnlich. Dadurch, dass wir nicht so viele Turniere gespielt haben, wie wir vielleicht hätten spielen sollen oder andere international spielen, konnten wir uns besser fokussieren. Wir hatten mehr Energie fürs Training, mehr Energie, um bessere Spiele zu machen und mehr Punkte für die Mannschaft zu holen. Außerdem ist unser Trainer Cristian Tamas für uns sehr wichtig. Er hält uns als Team zusammen, die Stimmung in der Mannschaft ist in dieser Saison wirklich großartig. Das ist in meinen Augen sehr wichtig und einer der entscheidenden Punkte: Alle im Team stehen zusammen.

Im Vorjahr hatte Werder die Play-offs verpasst. Was hat in dieser Saison den Unterschied gemacht?

In der vorigen Saison, direkt nach den Olympischen Spielen, waren viele von uns ein bisschen müde von der Vorbereitung und den Anstrengungen für die Qualifikation. Dennoch war auch schon die vorige Saison für mich persönlich ziemlich gut. Dieses Jahr aber hatten wir auch einfach mehr Zeit für die Vorbereitung und auch dafür, am Tisch besser zu sein, weil wir nicht so viele Turniere gespielt haben wie im vorigen Jahr. Das ist, glaube ich, einfach der Unterschied.

Bremen gehört nun zum zweiten Mal in drei Jahren zu den besten vier Mannschaften der TTBL. Ist Werder dadurch schon ein absolutes Spitzenteam wie die anderen Dauer-Halbfinalisten?

Für mich war der SV Werder schon immer eine Spitzenmannschaft, ein Spitzenklub, auch weil schon viele große Spieler für Bremen gespielt haben. Als ich 2019 bei Werder unterschrieben habe, daran erinnere ich mich noch gut, war ich wirklich glücklich, weil ich wusste, dass Bremen eine der besten Mannschaften in der Bundesliga ist. Wenn ich zurückdenke, sind eigentlich immer alle anderen Mannschaften mit ihren besten Spielern gegen uns angetreten, um nicht gegen uns zu verlieren. Deswegen, meine ich, verdienen wir es auch, als Spitzenteam zu gelten. Wir sind eine starke Mannschaft, und ich würde sogar sagen, dass wir ein echtes Spitzenteam sein können.

Im Halbfinale ist der Champions-League-Gewinner und Pokalsieger 1. FC Saarbrücken-TT der Gegner Ihrer Mannschaft. Hätten Sie sich auch Saarbrücken ausgesucht, wenn Sie die Wahl gehabt hätten?

Saarbrücken hat zwar schon viel gewonnen, aber ich würde mir trotzdem keinen anderen Gegner wünschen und alles so lassen, wie es jetzt ist. Denn das Spiel gegen Saarbrücken ist ja vielleicht auch unsere Chance zu zeigen, was wir draufhaben und dass wir gegen sie gewinnen können.

In der Hinrunde hat Bremen gegen eine Saarbrücker Mannschaft in Bestbesetzung einen 3:2-Überraschungssieg gefeiert. Wie stehen die Chancen auf eine Wiederholung im Halbfinale?

Tatsächlich haben wir in dieser Saison schon einmal gegen sie gewonnen, und auch andere Mannschaften haben schon gegen sie gewonnen, deshalb denke ich, dass wir wieder eine gute Chance haben. Hoffentlich kommen viele Fans, um uns zu unterstützen - wir werden auf jeden Fall alles versuchen, um Saarbrücken zu schlagen.

Möglicherweise treffen Sie in Frankfurt wie in der Rückrunde auf Saarbrückens Superstar und Olympiasieger Fan Zhendong. Wie blicken Sie diesem Duell entgegen?

Ich habe schon mehrmals gegen Fan Zhendong gespielt, und zuletzt in der Rückrunde in Saarbrücken habe ich gegen ihn verloren. Aber es ist wirklich großartig, dass er in der Bundesliga spielt, und ich freue mich, dass Saarbrücken so einen starken und berühmten Spieler in der Mannschaft hat. Ich freue mich auf das Duell und hoffe sogar, dass wir gegeneinander antreten werden. Ich werde versuchen, mein bestes Spiel zu zeigen. Marcelo Aguirre hat Fan Zhendong in unserem Heimspiel besiegen können, und da die Tische in Frankfurt die gleichen sein werden wie bei unseren Heimspielen, denke ich, dass wir alle gut auf ein Duell mit Fan vorbereitet sein werden.

Sie selbst stehen mit Bremen schon zum dritten Mal im Halbfinale. Wie sind Ihre Erinnerungen an die zurückliegenden Play-off-Teilnahmen?

An die Play-offs 2020 und 2024 mit unserer Mannschaft habe ich tolle Erinnerungen. Ich habe auch viel daraus gelernt. Solche Spiele sind ein großes Ereignis, die dir beibringen, nicht zu gestresst zu sein, und das hilft auf den großen Bühnen wie bei den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften wirklich sehr. Mental würde ich sagen, dass ich bereit bin, weil ich schon ein paar Mal in genau dieser Konstellation gespielt habe. Gemeinsam werden einfach versuchen zu zeigen, was wir können, und hoffen, dass es klappt.

In Frankfurt finden Halbfinale und Endspiel erstmals im kompakten Final4-Modus an einem einzigen Wochenende statt. Wie beurteilen Sie diese Reform des Modus durch die Abschaffung der vorgeschalteten Halbfinal-Serie vor dem Endspiel?

Dieses Format ist im Gegensatz zum Pokal Final4 für die Spieler großartig, weil sie so erst ein Halbfinale spielen können und dann bis zum Finale am nächsten Tag regenerieren können. Für mich persönlich ist es schon richtig hart, ein einziges Match gegen einen Top-20- oder Top-10-Spieler zu bestreiten, und wenn du dann als Nummer eins noch ein zweites Match gegen einen Top-10- oder Top-20-Spieler spielen musst, braucht man als Spieler eine enorme Energie, um solche Gegner zu schlagen. Deshalb finde ich es wirklich super, dass wir in Frankfurt auf einer großen Bühne über zwei Tage spielen können.

Vielen Dank für das Gespräch, Kirill Gerassimenko.

Florian Manzke

TTBL Redaktion
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20.05.2026

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