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Interview mit Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken-TT): „Der Druck ist sicherlich größer als sonst“

Pokal

Interview mit Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken-TT): „Der Druck ist sicherlich größer als sonst“

Interview mit Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken-TT): „Der Druck ist sicherlich größer als sonst“

Patrick Franziska geht mit dem 1. FC Saarbrücken-TT beim Liebherr Pokal-Final Four am 4. Januar in Neu-Ulm als großer Favorit in das Rennen um den ersten Titel der Saison. Im Interview spricht der Kapitän des Champions-League-Siegers über die Besonderheiten des Turniers, den gestiegenen Druck für sein Team durch die Verpflichtung von Olympiasieger Fan Zhendong und die Konstellationen im Halbfinale gegen Meister und Cupverteidiger TTF Liebherr Ochsenhausen.

Patrick Franziska, mit Ihrem 1. FC Saarbrücken-TT bietet sich Ihnen beim Liebherr Pokal-Final Four am 4. Januar in Neu-Ulm die Chance auf den ersten Titel der Saison. Kribbelt es schon?

Ja, natürlich kribbelt es schon. Das Final Four am Anfang des Jahres ist ein Event, auf das man immer heiß ist. Zugegebenermaßen legt man an den Feiertagen auch mal die Füße hoch, aber dafür ist nie viel Zeit, und dadurch kribbelt es auch schon zwischen den Jahren.

Sie haben bereits Titel und Medaillen in allen großen und wichtigen Wettbewerben von Olympia bis Champions League und Bundesliga gewonnen. Welchen Stellenwert hat in dieser Reihe der Pokal?

Der Pokal ist immer ein sehr, sehr cooles Event und ja auch der erste Titel, der in einer Saison vergeben wird. Außerdem hat sich Ulm im Laufe der Zeit als Schauplatz so etabliert, dass inzwischen auch der Vorhang geöffnet und die komplette Halle genutzt und gefüllt werden kann. Aus all diesen Gründen ist der Pokal auch bei uns im Tischtennis immer schon etwas ganz Besonderes.

Sie sind mit insgesamt drei Siegen und sechs weiteren Endspielteilnahmen für insgesamt drei Klubs seit 2013 der Pokal-Dauerbrenner unter allen Spielern beim Liebherr Pokal-Final Four. Welche Faktoren machen Ihrer Meinung nach die Faszination des Turniers aus?

Die Stimmung beim Final Four ist einfach immer etwas ganz Besonderes. Die beiden Halbfinals werden gleichzeitig an zwei Tischen gespielt, und jeder der vier Mannschaften hat ihre eigenen Fans mitgebracht, wobei diese wirklich vier Lager in letzter Zeit immer größer geworden sind. Dazu kommen immer auch noch einige neutrale Zuschauer, und durch alles zusammen merkt man, dass in der Halle einfach eine coole, aber immer auch faire Stimmung herrscht. Durch die beiden parallelen Halbfinals am Anfang passiert ja außerdem fast immer etwas an mindestens einem Tisch und es gibt nur ganz wenig Leerlauf. Durch das große Finale hinten heraus ist das Final Four schon sehr, sehr speziell und sehr cool.

Sie haben unterschiedliche Erfahrungen in Pokal-Endspielen gemacht. Woran erinnern Sie sich besonders?

Aus der jüngeren Vergangenheit ist mir noch der Pokalsieg 2022 mit Saarbücken in guter Erinnerung. Für Darko Jorgic und mich war das unser erster gemeinsamer Titel. Im Halbfinale gegen den Post SV Mühlhausen lagen wir schon 1:2 zurück und wir haben dann nach meinem hohen Rückstand gegen Daniel Habesohn das ganze Spiel noch drehen und auch das spätere Finale gegen Düsseldorf gewonnen, obwohl wir nach dem Halbfinale gar nicht so sehr daran geglaubt haben. Das hat den Titel für mich schon sehr cool gemacht.

Aus den vergangenen Jahren mit Saarbrücken und auch schon davor mit Borussia Düsseldorf kennen Sie die Favoritenrolle bei der Pokal-Endrunde nur allzu gut. Dieses Mal ist Ihr Team nach der Verstärkung mit Olympiasieger und Superstar Fan Zhendong allerdings so hoch favorisiert wie noch kein Team in der bald 70-jährigen Geschichte des Wettbewerbs. Verändert das etwas für Sie?

Wir sind natürlich die großen Favoriten. Ich weiß aber nicht, ob wir der größte Favorit aller Zeiten sind – immerhin war Timo Boll auch eine sehr, sehr lange Zeit in Bundesliga und Pokal unschlagbar, sodass es auch immer sehr, sehr schwer gewesen ist, gegen Düsseldorf zu gewinnen. Aber ohne Frage ist der Pokal jetzt das große Ziel, dadurch ist es schon etwas spezieller, wenn man als Favorit in solch ein Turnier geht. Das ist für uns mit Saarbrücken auch noch nicht so oft der Fall gewesen, aber ich merke, dass die Vorfreude dadurch umso größer ist, weil man sich auf dieses große Ziel noch besser vorbereiten und einstellen kann.

Das Saisonziel Ihres Teams mit Fan sind „so viele Finals und wie möglich". Der Pokal ist die erste von drei Chancen auf einen Titel. Wie hoch ist der Druck und wie gehen Sie damit um?

Sicherlich ist der Druck größer als sonst. Wir merken das als Mannschaft schon seit Anfang der Saison, als es zunächst vielleicht ja noch ein bisschen ‚holpriger‘ war und sich jeder erst einmal an diese für uns vollkommen neue Situation gewöhnen musste. Aber aus meiner Sicht, hat sich unsere ganze Mannschaft in den letzten Wochen und Monaten gut darauf eingestellt und zieht daraus auch zusätzliche Energie. Außerdem machen wir uns ohnehin immer selbst Druck, so dass jetzt eben von außen ein bisschen mehr dazukommt. Aber dafür macht man das ja auch alles, das ist ja auch etwas sehr Gutes. Wir versuchen jedenfalls, alles positiv zu nehmen, und ich finde, dass es uns in letzter Zeit auch sehr, sehr gut gelingt.

Das Ende der Weihnachtsfeiertage war für Ihre Mannschaft der Beginn der gezielten Vorbereitung auf das Liebherr Pokal-Final Four. Wie und mit welchen Gefühlen blickt Fan Zhendong seinem ersten nun wirklich ganz großen Auftritt entgegen? Ist ihm die Bedeutung des Pokals im deutschen Tischtennis bewusst?

Fan weiß natürlich auch, dass der Pokal der erste von drei Titeln ist, der vergeben wird. Aber man merkt nicht unbedingt, dass er deswegen nervöser ist. Fan hat schon sehr, sehr viele wichtige Spiele gemacht und auch sehr, sehr wichtige Spiele gewonnen, insofern finde ich, dass er damit wie eigentlich schon die ganze Zeit relativ entspannt umgeht. Ich bin mir auch sicher, dass er beim Final Four in Topform einlaufen wird.

Haben Fan und Ihr Team sich inzwischen an den enormen Hype bei Ihren Spielen gewöhnt?

Fan kennt das alles ja schon aus seiner Heimat, da ist es noch einmal viel, viel größer. Für uns als Mannschaft, unseren ganzen Verein und auch unsere eingefleischten Zuschauer aber war es am Anfang schon sehr ungewohnt und alles ein bisschen anders. Aber man hat ja spätestens bei unserem Topspiel kurz vor Weihnachten gegen Düsseldorf in der wirklich komplett vollen Saarlandhalle gemerkt, wie viel Stimmung und Hype da ist, wie viel los ist. Das ist ja nur gut für alle Seiten – für den Tischtennissport, für unseren Verein, für die Liga. Wir jedenfalls nehmen das positiv wahr und freuen uns darüber.

Saarbrücken trifft im Halbfinale auf den Pokalverteidiger und Meister TTF Liebherr Ochsenhausen. Ist die Neuauflage des Endspiels der vergangenen Saison trotz der bedeutenden Veränderungen in beiden Mannschaften eine Revanche?

Es ist auf jeden Fall ein ganz neues Spiel. Als Revanche würden wir es aber eher nicht sehen, auch wenn wir vor allem vor Shunsuke Togami gewarnt sind. Im Grunde hoffen wir aber einfach nur, dass wir dieses schwere Spiel irgendwie gewinnen und damit den ersten Schritt Richtung Pokal machen können.

In der TTBL hat Saarbrücken kurz vor Weihnachten gegen Ochsenhausen deutlich gewonnen. Lassen sich für Sie daraus Schlüsse für das Pokal-Duell ziehen?

Bei dem Spiel haben beide Mannschaften etwas taktiert. Wir haben Fan und Ochsenhausen Togami an Nummer zwei gestellt, womit beide wohl mal schauen wollten, was bei der Aufstellung möglich ist, ohne sich in die Karten schauen zu lassen. Klar ist, dass es für uns wichtig ist, eine gute Aufstellung zu treffen und mit Selbstvertrauen in das Spiel zu gehen.

Sollte Saarbrücken das Endspiel erreichen: Wäre Ihnen TTC OE Clarity Telefonie Systeme Bad Homburg oder der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell als Finalgegner lieber?

Ich glaube schon, dass Fulda ein kleiner Favorit ist. Aber Bad Homburg hat immerhin Düsseldorf aus dem Pokal geworfen. Bei denen heizt Helmut Hampl als Cheftrainer seine jungen Wilden auch immer gut an, das kenne ich ja aus eigener Erfahrung. Sollte es aber zu einem Finale kommen, nehmen wir beide Hessen. Aber erstmal liegt der Fokus auf dem Halbfinale.

Vielen Dank für das Gespräch, Patrick Franziska.

Interview: Florian Manzke

TTBL Redaktion
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01.01.2026

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