Pokal

Interview mit Nicolas Barrois (Teammanager 1. FC Saarbrücken-TT): „Unser Ziel sind weitere Titel“
Der 1. FC Saarbrücken-TT hat durch den Erfolg beim Liebherr Pokal-Final Four seinen ersten nationalen Titel seit vier Jahren gewonnen. Im Interview spricht Teammanager Nicolas Barrois über den Stellenwert des dritten Pokalsiegs für die Saarländer, die Aussichten für ein Engagement von Olympiasieger Fan Zhendong über das Saisonende hinaus und möglichen Ersatz für Patrick Franziskas zerbrochene Sieger-Medaille.
Nicolas Barrois, Ihr 1. FC Saarbrücken-TT hat beim Liebherr Pokal-Final Four zum dritten Mal den Titel gewonnen. Wie bewerten Sie diesen Erfolg kurz nach dem 3:1-Sieg im Finale gegen den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell?
Das ist für uns natürlich ein Riesenerfolg. Nach der vergangenen Saison, die in Pokal und Bundesliga nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt hatten, ist der Pokalsieg jetzt erst mal wieder ein absolutes Highlight für uns – und nebenbei auch der erste nationale Titel in mehr als den letzten zehn Jahren, den wir vor Zuschauern gewonnen haben. Vorher war es 2012 noch vor meiner Zeit in Saarbrücken der Pokalsieg, weil bei der Meisterschaft 2020 und dem Pokalsieg 2022 ja keine Zuschauer erlaubt gewesen waren, was sehr schade war. Deswegen bedeutet uns dieser Pokalsieg nun sehr viel, und wir freuen uns, dass es geklappt hat.
Wie viele Steine fielen Ihnen und Ihrer Mannschaft durch den Titelgewinn vom Herzen?
Als im Endspiel irgendwann abzusehen war, dass Zhendong gegen Ruwen Filus nicht mehr verliert, ist schon einiges abgefallen. Es war ja doch ein sehr enges Finale beziehungsweise ein überraschendes Finale. Man weiß ja außerdem auch nie, wie Darko Jorgic mit Krankheit spielt. Entsprechend war ich erstmal super erleichtert, als er sein Spiel gewonnen hat und wir 2:1 geführt haben, weil ich da wusste, dass wir jetzt zwei richtig gute Chancen haben, nicht nur durch Fan gegen Ruwen, sondern auch danach durch ein gutes Doppel mit Patrick Franziska und Eduard Ionescu, die bisher zusammen nur sehr, sehr wenig verloren haben. Ab da war die Erleichterung erstmal groß und hat auf jeden Fall sehr, sehr viel bedeutet.
Was sind - über die reinen Ergebnisse hinaus – die entscheidenden Faktoren für den Pokalsieg gewesen?
Es haben zwei, drei Faktoren eine große Rolle gespielt. Das waren natürlich erst mal die Einzelspieler, denn es ist ja kein Geheimnis, dass wir in einer Aufstellung mit Fan Zhendong, Patrick Franziska und Darko Jorgic Favorit sind.
Aber auch die Entwicklung, die die Einzelspieler durchgemacht haben in den letzten Wochen, gehört dazu. Darko war beim Final Four krank, kämpft sich aber in seine beiden Spiele rein. Im Halbfinale gegen die TTF Liebherr Ochsenhausen war sein Spiel gegen Shunsuke Togami als Topspieler logischerweise schwer, aber im Finale gegen Fanbo Meng hat er seine Sache gut gemacht. Fan war überragend, und ich glaube auch, dass er jetzt auch endgültig in Deutschland angekommen ist. Und ‚Franz‘ hatte einen souveränen Auftritt im Halbfinale und einen etwas unglücklicheren Auftritt im Finale. Aber jeder kämpft für jeden, es herrscht ein guter Teamspirit bei uns, auch von der Bank her, also alle drei Jungs, die auf der Bank gesessen haben und natürlich auch gerne gespielt hätten, haben geklatscht, angefeuert, waren füreinander da. Das ist auch ein wichtiger Faktor gewesen, warum wir am Ende den Titel geholt haben.
Ihr Superstar Fan Zhendong hat, Sie sprachen es schon an, wie erhofft mit jeweils zwei Punkten im Halbfinale und Endspiel geliefert und ging als einziger Spieler gänzlich ungeschlagen aus der Halle. Kann man auch „erwartungsgemäß" sagen?
Erwartungsgemäß ist im Sport gar nichts. Entsprechend froh sind wir, dass er abliefern konnte. Viele Fragen in den letzten Wochen und Monaten gingen ja auch in die Richtung, ob der Saisonstart so eingeplant gewesen war und man das so erwartet hatte und so weiter und so fort. Nein, das konnte man nicht erwarten, auch wenn auf der anderen Seite niemand damit rechnet, dass er mit 25:0 durchgeht. Deswegen sind wir froh, dass er gerade zum ersten Saison-Highlight seine Form erreicht hat und dann auch eindrucksvoll abgeliefert hat.
Hatten Sie in der Halle zu irgendeinem Zeitpunkt einmal das Gefühl, dass die Pokal-Mission schieflaufen könnte?
Was heißt schieflaufen? Es kann immer mal etwas anders laufen als ausgerechnet. Aber prinzipiell haben wir jetzt nicht gesehen, dass wir riesig in Gefahr waren. Wir haben die Spiele, die wir gewonnen haben, teilweise sehr deutlich gewonnen, und haben die Einzel, die wir verloren haben, im Finale zumindest sehr, sehr knapp verloren mit Matchball. Also da war das Projekt Titelgewinn nicht in Gefahr, wobei man aber auch sagen muss, dass im Sport alles passieren kann und es deshalb umso schöner war, dass wir nie dieser Gefahr ausgesetzt waren.
Nach Fans entscheidendem Erfolg gegen Fuldas Abwehr-Ass Ruwen Filus hatten viele Zuschauer den Eindruck, dass Patrick Franziska dem Olympiasieger die "La Ola" des Teams vor der Tribüne als Dank an die Zuschauer erst noch erklärt hätte. Wie hat Fan Zhendong denn vor dem Hintergrund seiner vielen großen Erfolge auf internationaler Bühne sein erster Titelgewinn in Deutschland gefallen?
Bei unseren Heimspielen in Saarbrücken machen wir ja auch so eine kleine La-Ola-Welle, allerdings etwas anders aus dem Stand, und nach dem Pokalsieg haben die Jungs da kurz vorher ausbaldowert, mal eine Welle aus dem Lauf heraus zu machen, und das musste man dann vielleicht noch einmal erklären. Es hat ja Gott sei Dank geklappt, es waren alle euphorisch dabei, und ich glaube, Fan Zhendong war sehr happy, dass er diesen Titel ins Saarland bringen konnte, seinen ersten Titel in Deutschland. Schauen wir mal, wie es noch weitergeht.
Fan erklärte nach dem Finale, sich eine nochmalige Teilnahme an der Pokal-Endrunde zu wünschen. Haben denn schon Gespräche über eine Verlängerung seines Vertrags in Saarbrücken stattgefunden?
Ja, lose Gespräche führt man natürlich. Man sagt ihm, dass man sehr zufrieden ist, dass man natürlich gerne weiter zusammenarbeiten möchte. Aber konkrete Vertragsverhandlungen haben wir noch nicht geführt, dafür ist es auch noch ein bisschen früh. Wir haben ihm schon eröffnet, dass wir gerne mit ihm weiterarbeiten würden, aber ich glaube, dass wir keinen Zeitdruck und machen uns auch keinen Stress.
Ich glaube, Zhendong fühlt sich wohl, und das ist ja schon einmal eine gute Basis, um dann Gespräche zu führen für die Zukunft.
Patrick Franziska hat nach der Siegerehrung das eine oder andere Problem mit seiner Gewinner-Medaille. Erst hatte sich die Plakette vom Band gelöst, und später fiel die Medaille nach Franziskas Sieger-Interview aus der Pokal-Öffnung zu Boden und zerbrach dabei. Sind die Bemühungen um Ersatz schon angelaufen?
Ja, Patricks Medaille ist wirklich leider kaputt gegangen. Wir haben bei der TTBL schon angefragt, ob es noch einen Ersatz geben könnte, ansonsten müssen wir ihm einfach für ein Jahr den Pokal ins Wohnzimmer stellen als kleine Entschädigung. Aber einmal Spaß beiseite: Das ist nicht das erste Mal passiert, und es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass jemandem eine Medaille kaputt geht. Ich denke, dass wir dafür einen Ersatz finden.
Noch ein letztes Mal zum sportlichen Bereich: Oft sorgt der Pokal als erster Titel der Saison bei den Gewinnern für eine Befreiung von zumindest viel Erfolgsdruck in Meisterschaft und Champions League. Könnte Saarbrücken am Ende dieser aufregend-spannenden Saison mit Fan Zhendong alleine mit dem Pokalsieg zufrieden sein, oder ist das Triple angesichts Ihres Kaders ein Muss?
Der erste Titel ist natürlich was ganz Besonderes, weil Du direkt mit einer positiven Erfahrung ins Jahr startest. 2025 sind wir mit einer Finalniederlage ins Jahr gestartet und haben danach im Januar direkt noch zwei Spiele verloren - das kann auch eine ganze Saison beeinflussen. Nun nimmt uns der Pokalsieg so ein bisschen den Druck, wir können befreit aufspielen. Natürlich spielt uns auch in die Karten, dass Truls Möregardh jetzt in der Champions League dazustößt, das nimmt auch ein bisschen den Druck von den anderen Jungs, dann kann von den Top-Spielern auch einmal Pause machen. Entsprechend nehmen wir den Pokalsieg so ein bisschen als Initialzündung, in die entscheidenden Wochen zu gehen. Unser Ziel ist ganz klar, weitere Titel zu holen. Wir haben wahrscheinlich die stärkste Mannschaft in Europa, gerade wenn es in den europäischen Wettbewerb geht, da wollen wir schon auch liefern und uns im ersten Step erstmal für das Final Four in unserer Saarlandhalle qualifizieren und dann dieses Turnier im besten Fall auch noch gewinnen. Also wenn wir jetzt nur einen Pokalsieg hätten, wäre es zwar keine verlorene Saison, aber es wäre trotzdem – auch wenn im Sport immer alles passieren kann - schon eine kleine Enttäuschung. Wir gucken jetzt aber einfach mal, was noch so kommt mit und für unsere Truppe.
Vielen Dank für das Gespräch, Nicolas Barrois.
Interview: Florian Manzke








